Februar-Impuls: Gib nie die Hoffnung auf

Februar-Impuls: Gib nie die Hoffnung auf

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der
Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Monatsspruch für Februar 2019 aus Römer 8,18

Vertröstung auf das Jenseits?

Ausgleichende Gerechtigkeit?Dieser Vers wirkt auf den ersten Blick ganz und gar nicht als frohe Botschaft, sondern wie eine Vertröstung auf das Jenseits. Es klingt fast so, als ob es egal sei, wie schwer dieses Leben ist – das Entscheidende kommt erst nach diesem Leben. Und es ist doch egal, ob es in dieser Welt Gerechtigkeit gibt oder nicht – in der ewigen Herrlichkeit werden die Benachteiligten schon zu ihrem Recht kommen. Oder bezogen auf mich persönlich, eine, die schon Einiges durchgemacht hat und seit vielen Jahren chronisch krank ist: Ist doch egal, wenn ich immer, jeden Tag, Schmerzen habe und abgeschlagen bin – ich werde es schon aushalten und irgendwann im Himmel frohlocken.

Aber es geht längst nicht nur um mich. Da gibt es unzählig viele Leidensgenossen, die unheilbar krank sind, denen es noch schlechter geht. Oder die nicht am Körper krank sind, aber deren Seele leidet, die einen geliebten Menschen verloren haben, deren Leben tragisch verläuft, die einsam oder auf der Flucht sind. Es gibt so unendlich viel Leid auf dieser Welt! Kommt das Gute erst „zum Schluss“?

Lass dich nicht unterkriegen!

Ich habe mir den Zusammenhang dieser Bibelstelle angesehen, und dabei festgestellt, dass Paulus nicht schwarzmalen will, sondern uns vielmehr ermutigen will, dass wir niemals die Hoffnung aufgeben sollen.

„Nichts, aber auch gar nichts, kann uns trennen von der Liebe Gottes.“

Römer 8, 38-39

Paulus hat selbst viel Verfolgung und Leid erlebt, er weiß, wie das ist. Er beeindruckt mich, weil er die Hoffnung nie aufgegeben hat. In der selben Bibelstelle „seufzt auch die ganze Schöpfung unter ihrer Vergänglichkeit“. Aber auch die Schöpfung fügt sich ihrem Leiden nicht einfach. Sie erwartet stattdessen die Befreiung vom Leid – felsenfest im Glauben. Die Schöpfung zweifelt nicht daran, dass Gott da ist und gut für sie sorgt. Sie glaubt geduldig. Und das ist es, was auch uns oft nur übrig bleibt im Leid: Geduldiges Hoffen. Und Beten.

„Jammern“ erlaubt

Im Gebet darf ich vor Gott auch jammern, wenn es mir so schlecht geht, dass ich es kaum mehr aushalte. Ich darf auch weinen, wenn ich nicht mehr kann. Gott weint mit uns! Gott, wie viel haben wir beide schon zusammen geweint. Und wie oft habe ich schon gerufen: „Gott, ich kann nicht mehr – wie lange und wie viel muss ich noch aushalten?“

Aber wir dürfen im Jammern und Klagen nicht versinken. Ich lebte mal eine Weile im Ausland, und dort führte mich eine Freundin in die „five-minutes-pity-party“ ein.

„Take five minutes for your pity party, then get back on your horse.”

Fünf Minuten darf man sich geben für seine Mitleidsphase, und dann…

Dreh dich um, HOFFE und DANKE!

Leichter gesagt als getan. Aber es hilft, die Perspektive zu wechseln, nicht mehr auf das halb (oder schier ganz) leere Glas zu sehen, sondern auf das, was da noch drin ist in meinem Leben! Und da ist in fast jeder Situation noch immer was drin. Selbst in schlimmen Notlagen sind Menschen um mich, für die ich dankbar sein kann. Es gibt Medizin, die mein Leiden lindern kann. Es gibt Mut, den ich zugesprochen bekomme. Freunde, die mich aushalten.

Ja, es ist manchmal nicht leicht, das alles zu sehen. Wenn einem Kummer und Schmerz den Blick blockieren. Doch es geht.

„Ja, mit Gottes Hilfe“.

An besagter Bibelstelle haben mir die Worte „ins Gewicht fallen“ das Bild einer Waage in den Sinn gebracht. Ich sehe das so: Die eine Waagschale, ich nenne sie die „schlechte“ oder negative Waagschale, die füllt sich stetig von alleine. Da brauche ich gar nicht viel extra hineinzutun. Ohne mein Zutun und ohne meinen Willen donnern da mit einem Schlag Schicksalsschläge rein, Unfälle, Krankheiten, Verluste – oder es schleichen sich klammheimlich weniger schlimme, und doch traurige Ereignisse ein, Enttäuschungen, Verletzungen, eigene Fehler, Dinge, die nicht klappen, Ängste… und das oft, ohne dass ich etwas dazu oder gar dagegen tun könnte. All das wiegt so arg schwer!

Aber ich habe noch eine andere Waagschale!

Andere WaagschaleUnd die kann ich – und muss ich erst recht, wenn die andere Schale schon so voll ist – „Gutes“ und Positives hineinfüllen! Ich kann etwas dagegen setzen. Je schwerer die eine Schale schon ist, desto wichtiger wird die zweite Schale, wo das Gute drin ist. Freude, Erfüllung, Erleichterung, ein Wegbegleiter, ein Freund, vielleicht auch „nur“ ein Leidensgenosse.

Diese zweite Schale füllt sich oft weniger von alleine – meinen wir. Wenn ich aber genau hinsehe, entdecke ich so viele Geschenke des Lebens und Liebesbeweise von Gott! Manchmal wird die Waage von der „schlechten“ Schale so aus dem Lot gebracht, dass das „Gute“ aus der anderen herauspurzelt. Doch es ist noch da, suche es, und lege es wieder hinein! Packe sie ganz voll, Deine „gute“ Schale! Es gibt SO viel dort hinein zu legen! Meist musst Du das aktiv und mit Deiner Willenskraft tun. Wenn es Dir schwer fällt, die Kraft fehlt, dann bete dafür. Fülle so viel hinein, dass sie mehr wiegt als die andere, die ungewollte, die ungeliebte Waagschale!

Dann verliert das Leid sein Gewicht

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der
Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.

Monatsspruch für Februar 2019 aus Römer 8,18

Das „Leiden“ in der einen Waagschale, die „Herrlichkeit“ in der anderen. Und das Zünglein an der Waage, das ist für mich die Liebe Gottes. Sie taucht alles in ein anderes Licht, dämpft Schmerzen und gibt Zuversicht.

ABER sagen jetzt leidende Zweifler vielleicht: Aber Gottes Liebe ist so unbeeinflussbar, mal bekomme ich sie, mal nicht. Oh nein, weit gefehlt! Gottes Liebe ist immer da! Immer und überall, in jeder möglichen und unmöglichen Situation, auch – und erst recht – im Leid. Außerdem müssen wir Gottes Liebe gar nicht beeinflussen, wir müssen uns „nur“ mit ihr verbinden. Zum Beispiel im Gebet, in Liedern, durch Texte der Bibel, oder indem wir uns von „Gottes Bodenpersonal“ helfen lassen. Gemeinsam mit anderen geht es oft leichter…

Was ist Dein Zünglein an der Waage? Was hilft Dir?

Nicht aufgebenDas Leben so lieben, dass man es sich im Himmel nicht schöner vorstellen kann. Das gefällt mir. So möchte ich leben. Manchmal gelingt es. Manchmal nicht. In Momenten, in denen sich das Leben nicht so leicht lieben lässt. Weil sich das Leiden davor schiebt. Weil das Seufzen lauter wird als das Lachen.

Doch dann gebe ich nicht auf. Denn nichts bleibt, wie es ist. Nach jedem Regen kommt die Sonne irgendwann wieder – bis dahin halte Ausschau nach einem Regenbogen.

Jutta Liess

Deine Geschichte MonatsspruchDieser Artikel ist Teil der Serie What’s your Story – Ermutige andere durch Deine Geschichte.
 

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