Jahreslosung 2020 Andacht

Andacht zur Jahreslosung 2020

Jahreslosung 2020 Andacht

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!
Markus 9,24

Hand auf’s Herz: haben Sie schon mal an Gott gezweifelt? Willkommen im Club!

Zweifel ist gesund. Es ist wichtig, sich und seinen Glauben von Zeit zu Zeit zu hinterfragen: Bin ich auf dem richtigen Weg mit Gott? Was ist, wenn es ihn doch nicht gibt – oder was ist, wenn es ihn doch gibt? Die Jahreslosung 2020 ist eine Einladung, sich mit Glauben und Zweifel entspannt und ehrlich auseinanderzusetzen.

Die Jahreslosung im biblischen Kontext

Der ausgewählte Vers ist eine Heilungsgeschichte eingebettet, die der Evangelist Markus im Vergleich zu Matthäus und Lukas am Ausführlichsten schildert:

Markus 9
14 Und sie kamen zu den Jüngern und sahen eine große Menge um sie herum und Schriftgelehrte, die mit ihnen stritten.
15 Und sobald die Menge ihn sah, entsetzten sich alle, liefen herbei und grüßten ihn.
16 Und er fragte sie: Was streitet ihr mit ihnen?
17 Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist.
18 Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn zu Boden; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten’s nicht.
19 Er antwortete ihnen aber und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir!
20 Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riss er ihn hin und her. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund.
21 Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist’s, dass ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf.
22 Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!
23 Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.
24 Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!
25 Als nun Jesus sah, dass die Menge zusammenlief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein!
26 Da schrie er und riss ihn heftig hin und her und fuhr aus. Und er lag da wie tot, sodass alle sagten: Er ist tot.
27 Jesus aber ergriff seine Hand und richtete ihn auf, und er stand auf.
28 Und als er ins Haus kam, fragten ihn seine Jünger für sich allein: Warum konnten wir ihn nicht austreiben?
29 Und er sprach: Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.


 
Anders als Markus berichten Matthäus (Mt. 17, 14-21) und Lukas (Lk. 9, 37-43a) zwar von der Heilung, überliefern aber nicht den Dialog mit dem Vater des Kindes, aus dem die Jahreslosung (Vers 24) stammt. Nimmt man das synoptische Zeugnis ernst, sollte der Kontext (also die Heilungserzählung) nicht ganz außer Acht gelassen werden.

Markus berichtet zunächst von einer Streitszene zwischen den Jüngern und den Schriftgelehrten (Vers 14). Worum es geht, erfahren wir nicht. Jesus kommt hinzu und einer aus der Menge, der Vater des kranken Jungen, wendet sich an ihn: “Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist.”

Er berichtet Jesus von den schweren Symptomen, die das Leben seines Kindes beeinträchtigen. Eigentlich war er nicht zu Jesus gekommen. Denn zuvor hatten die Jünger offenbar vergeblich versucht, den bösen Geist auszutreiben, den der Mann als Ursache für die Erkrankung vermutet. Jesus ist also höchstens sein “Plan B”.

Jesus reagiert überraschend unwirsch mit Tadel, willigt aber ein, sich den Jungen anzusehen: “O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir!” Jesus scheint zu erwarten, dass die Jünger bereits mehr von ihm gelernt haben. Am Ende dazu mehr.

Als der Junge zu Jesus gebracht wird, treten die Symptome seiner Krankheit erneut heftig auf. Jesus erkundigt sich beim Vater, wie lange der Junge schon krank ist. Der schildert knapp, dass sein Sohn von Geburt an krank ist und sich durch die Krankheit schon öfter in akuter Lebensgefahr befand. Dann bittet er Jesus: “Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!”

Jesus provoziert uns, einen Schritt weiter zu gehen

Erneut schwingt in der Antwort Jesu ein gewisser Widerstand mit: “Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.” Damit lenkt er den Blick zunächst auf die Unsicherheit des Vaters, ob Jesus tatsächlich in der Lage sein würde, seinem Sohn zu helfen. Dann ergänzt er provozierend: “Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.” Der offenbar verzweifelte Vater nimmt den Ball auf und schreit: “Ich glaube; hilf meinem Unglauben!”

Ein interessanter Moment! Der verzweifelte Vater ist hin- und hergerissen zwischen Glauben und Unglauben, Vertrauen und Zweifel. Wir können nur ahnen, bei wie vielen Ärzten und Heilern er bereits vergeblich Hilfe gesucht hat. Und selbst die Jünger waren erfolglos. In seiner Not greift der Mann nach jedem Strohhalm der Hoffnung, der sich ihm bietet, bis er bei Jesus landet und ihn anspricht. Einerseits voller Hoffnung und gleichzeitig voller Ver-zweiflung, im wahrsten Sinn des Wortes. Immerhin: Er ist da, zusammen mit seinem Sohn! Er ist bei Jesus gelandet und startet einen Versuch, damit seinem Sohn endlich geholfen wird.

In welchen Situationen kommen wir zu Jesus, um ihn um Hilfe zu bitten? Warten wir so lange, bis wir mit unserem Latein am Ende sind und bitten Jesus erst als letztes Mittel um Hilfe? Ziemlich oft dürfte das der Fall sein. Wie groß ist unser Vertrauen, mit dem wir Jesus um etwas bitten? Denken wir uns dabei im Stillen: “Wer weiß, ob’s hilft, aber schaden kann’s nicht?” So könnte fast jeder den Satz mitsprechen: “Ich glaube; hilf meinem Unglauben!”

In diesem Satz steckt ein Schlüssel! Zum Glauben gehört immer beides: Vertrauen und Zweifel. Sie sind wie zwei Seiten einer Medaille: das eine ist ohne das andere nicht zu haben. Wer behauptet, niemals zu zweifeln, wird sich fragen müssen, ob er wirklich glaubt. Und wer voller Zweifel ist, scheint letztlich doch an etwas etwas zu glauben, an dem er zweifeln kann!

Unser Glaube und unsere Zweifel sind bei Gott in guten Händen

Glaube ist gelebtes Vertrauen in Gott. Es ist kein blindes Vertrauen, es gibt viele gute Gründe, Gott zu vertrauen. Aber es ist immer ein Wagnis! Vertrauen ohne Risiko ist kein Vertrauen, sondern Kalkül. Glaube ohne Wagnis ist halbherzig oder klein. Jesus provoziert und ruft uns aus der Grauzone zwischen Wagen und Zögern heraus: “Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.”

Damit ist nicht wie oft angenommen der Glaube an unsere eigene Stärke gemeint, sondern: Wenn Du Gott vertraust und ihn mit einbeziehst, wird durch ihn alles möglich!

Es wird möglich. Das heißt nicht, dass alles so passiert, wie wir es uns wünschen. Aber mit dem lebendigen Gott an unserer Seite tut sich ein ganzer Horizont an Möglichkeiten auf. Ich halte die Wunder der Bibel für glaubwürdig und habe schon viele Wunder erlebt. Das hat mich zu einem mutigeren Beter gemacht, weil ich lernen durfte, dass Gott großzügig, gut und treu ist und es sich lohnt, ihn bewusst und ausdrücklich einzubeziehen.

Das gilt um so mehr auch für unsere Zweifel. “Ich glaube; hilf meinem Unglauben!” – so dürfen wir beten, weil Glaube nicht unsere Leistung ist, sondern Gottes Geschenk an uns. Ich kenne niemand, der allein durch rationale Argumente, menschliche Vorbilder oder gelungene Gemeindeveranstaltungen zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist. Aber ich kenne haufenweise Leute, die zum Glauben gekommen sind, weil sie Jesus persönlich erfahren haben. Sie waren offen für sein Handeln. Manche haben vielleicht um Hilfe oder um ein Zeichen gebetet. Sie haben die Sache ihres Glaubens zu seiner Sache gemacht: “Wenn es Dich gibt, dann zeig’ Dich mir und hilf’ mir, mit Dir zu leben!”

Es kommt auf Jesus an, weniger auf uns

Als Jesus dem unreinen Geist gebietet, auf Nimmerwiedersehen das Weite zu suchen, kommt es zu einem echten Schockmoment: Der Junge wirkt wie tot! Doch dann ergreift Jesus seine Hand und richtete ihn auf, bis er steht. Endlich geht es um den, der hier am dringendsten Hilfe braucht. Vor lauter Diskussionen wäre der Junge selbst fast zu kurz gekommen. Aber nicht bei Jesus. Er richtet uns durch seine Hand auf. Er hilft uns auf die Füße, wenn alles wie tot, also aussichtslos erscheint. Interessant übrigens, dass der Junge dafür gar nichts tun musste. Sein Vater hat ihn zu Jesus gebracht, Jesus hat an ihm gehandelt. Er darf empfangen und sich aufrichten lassen.

Praxis-Challenge: Bist Du bereit für mehr?

Jesus ist durchaus anspruchsvoll: “O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen?” Ihn stört nicht, dass er wegen des kranken Jungen behelligt wird. Er kritisiert auch nicht die Zweifel des Vaters. Vermutlich nervt ihn, dass die Jünger zuvor ohne seine Hilfe an dem Jungen “rumgedoktert” haben – wo sie doch hätten wissen müssen, dass er als Gottes Sohn solche Dinge problemlos tun kann.

“Abgeben” ist also unsere Aufgabe. Das zeigt sich auch im vertraulichen Nachgespräch (Verse 28-29), als die Jünger Jesus fragen, warum sie gegen den Dämon nichts ausrichten konnten. Seine Antwort: “Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten.”

Ich stand schon vor vielen Problemen, die ich selbst nicht lösen konnte. Und ich hatte nicht die geringste Idee, wie Gott sie lösen sollte. Trotzdem – oder gerade deshalb – habe ich dafür gebetet und Erstaunliches erlebt. Manchmal geschah sofort etwas, manches hat Monate, Jahre gedauert. Gott hat seinen eigenen Zeitplan und ist nicht in erster Linie unser Wunscherfüllungsautomat. Aber er ist treu und gut. Wir dürfen ihn ganz konkret um alle Dinge bitten, die wir brauchen – und sei es, dass wir mehr Gottvertrauen nötig haben.

Pfarrer Stefan Hradetzky

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