Pauluskirche Traunreut: Kleiner Kirchenführer

Die Pauluskirche nach der Renovierung 2017
Zur Geschichte der Pauluskirche Traunreut
Die Grundsteinlegung für die evangelische Pauluskirche in Traunreut erfolgte am 15. November 1953. Bauherr war das Dekanat Traunstein. Nach einem knappen Jahr Bauzeit wurde die Kirche am 10. Oktober 1954 eingeweiht.

Die Pauluskirche nach der Renovierung 2017
Die Kirche hat 320 Sitzplätze und ersetzte die Funktion eines seit 1948 als Betsaal angemieteten Munitionslagerschuppens. In den Jahren zuvor feierten die evangelischen Christen ihre Gottesdienste in der Volksschule St. Georgen.

Als Sieger des ausgeschriebenen Architektenwettbewerbs gaben die Münchner Architekten Helmut von Werz (* 1912 in Siebenbürgen; † 1990) und Johann-Christoph Ottow (* 1922 in Greifswald; † 2012) der Pauluskirche ein unverwechselbares Profil mit trapezförmigem Grundriss, einem unterschiedlich weit herabgezogenen Satteldach und mit einem offenen, versetzt angeordneten Glockenstuhl. Dieser erste Entwurf einer Kirche wurde wegweisend für weitere Kirchenbauten von Ottow und Werz.

Die Westseite der Pauluskirche nach der Renovierung 2017

Typisch für ihren Stil ist eine sachliche, eher zurückhaltende Architektur, die sich harmonisch in die Umgebung einfügt. Die klare, trapezförmige Geometrie des Raumes und eine bewusste Lichtführung durch hoch sitzende Fenster weisen unaufdringlich in Richtung Altar und Himmel.

Woher hat die Pauluskirche ihren Namen?
Das namensgebende Betonrelief über dem Eingang zeigt acht Stationen aus dem Leben des Apostels Paulus. Es wurde von der Münchner Bildhauerin und Grafikerin Imme Hoefer-Purkhold (* 1919 in München, † 2008) im Format 600 x 53 cm gestaltet und am 26. Juni 1955 enthüllt.

Im Mittelpunkt der Gemeinde: Der gute Hirte
1956 wurde die Rückwand des Altarrraumes mit dem Marmormosaik »Der gute Hirte« von Maler und Grafiker Markus von Gosen aus Prien (* 1913 in Breslau, † 2004) ausgestaltet, der sich bei einem Wettbewerb gegen drei weitere Künstler durchsetzte.

Das Wandmosaik erinnert an das biblische Bild von Gott als gutem Hirten (Psalm 23) und an Jesus, der zur Rettung der Verlorenen die Herde zeitweise alleine lässt (Lukas 15). Die Weinstöcke erinnern an Jesu Worte aus Johannes 15: “Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.”

Ökumenischer Zusammenklang: Die Glocken
Am 1. Dezember 1957 erfolgte die Weihe der drei Glocken, die die Inschriften “Glaube”, “Hoffnung” und “Liebe” (1. Korinterbrief 13,13) tragen. Sie wurden in der renommierten Glockengießerei Bachmair in Erding gefertigt. Der Guss erfolgte in zinnfreier Bronze. Die größte Glocke wiegt 750 kg (fis), die mittlere 430 kg (as) und die kleinste 300 kg (b).

Auch die vier Glocken der katholischen Pfarrkirche “Zum Heiligsten Erlöser” stammen aus Erding. Sie ergeben mit ihren Tönen des, es, ges und b einen harmonischen Zusammenklang mit den Glocken der Pauluskirche.

Den Klang der Glocken können Sie auf der Website des Bayerischen Rundfunks anhören:
Zwölfuhrläuten aus Traunreut

Traunreuts erste mechanische Orgel
1964 wurde die von der Firma Steinmeyer gebaute Orgel eingeweiht. Sie besteht aus 16 klingenden Registern, die auf zwei Manuale und Pedal verteilt sind. Die Orgel der Pauluskirche ist die erste mechanische Orgel, die es in der Stadt gab.

Mit der Ortsgeschichte und den Menschen verbunden
Die Pauluskirche ist das älteste denkmalgeschützte Gebäude (D-1-89-154-78) in der Kernstadt Traunreuts und als südlicher Abschluss des Rathausplatzes ein wesentliches städtebauliches Element.

Sie ist Gotteshaus für 3.800 evangelische Christen und beherbergte bis Mitte 2017 gastweise auch zwei orthodoxe Gemeinden. In der Kirche findet nicht nur sonntags ein reiches geistliches Leben statt. Auch Schul- und Kindergartengottesdienste, Abendandachten und Kulturveranstaltungen finden in der Pauluskirche statt. Viele Menschen nutzen die tagsüber geöffnete Kirche, um zu beten und innerlich zur Ruhe zu kommen.

Den Vorplatz zwischen Pauluskirche und Gemeindehaus schmückt die bronzene Freiplastik “Jüngling mit Taube” des Bildhauers Gregor Kruk (* 1911 in Österreich, aufgewachsen in der Ukraine, † 1988). Sie zeigt einen jungen Mann in weitem Gewand, auf dessen erhobenen Händen eine Taube sitzt. Die Traunreuter Buchhändlerin, Bildhauerin und Galeristin Vilma Grütter (* 1921, † 2012) hatte die Figur 1980 neben 31 weiteren Werken international bekannter Bildhauer für eine Freiluftausstellung nach Traunreut geholt.

Mit finanzieller Unterstützung des Landkreises wurden die Exponate dann im Stadtgebiet aufgestellt. Der “Jüngling mit Taube” fand zunächst an der katholischen Kirche seinen Platz, bis dort der heutige Brunnen angelegt wurde. Wann genau der Jüngling neben der Pauluskirche platziert wurde, ist uns bisher nicht bekannt. Ein weiteres Exemplar der Statue befindet sich auf dem städtischen Friedhof Königsbrunn. Skulpturen von Gregor Kruk sind u.a. auch im Nationalmuseum Paris und im British Museum in London ausgestellt.

Die Pauluskirche ist Teil des Traunreuter Geschichtsweges.

Öffnungszeiten der Pauluskirche:
Carl-Köttgen-Str.1
83301 Traunreut
März bis Oktober: 8 bis 20 Uhr
November bis Februar: 8 bis 17 Uhr

Sollte sich die Kirchentüre nicht beim ersten Versuch öffnen lassen, bitte 1x kräftig drücken.
 

Links:
Artikel Pauluskirche Traunreut auf Wikipedia
Die Pauluskirche Traunreut im Denkmalatlas Bayern
Offene Kirchen in Bayern
 

Schreibe einen Kommentar

Scroll Up