April-Impuls


Die Jünger stehen am leeren Grab Jesu und können es nicht fassen – er ist weg! Und der schwere Stein – zur Seite gewälzt. “Jemand muss ihn woanders hingebracht haben” vermutet Maria Magdalena. An die Möglichkeit der Auferstehung denkt zunächst keiner – wie auch! Mit Wissen und Logik allein lässt sich ein Ereignis, das unseren vertrauten Erfahrungsrahmen sprengt, nicht begreifen.

Um die Auferstehung zu begreifen, braucht es den Auferstandenen selbst. Im Johannesevangelium Kapitel 20 wird geschildert, wie Jesus Maria Magdalena am leeren Grab erscheint. Sie hält ihn für den Gärtner. Erst langsam dämmert ihr, wer da vor ihr steht und mit ihr redet.

Den anderen Jüngern geht es ähnlich. Sie hatten sich verängstigt und verzweifelt eingesperrt. Von Mut und Hoffnung keine Spur – bis der Auferstandene selbst ihnen erscheint und mit ihnen spricht (Johannes 20,19-22): “Friede sei mit euch!” Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: “Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.” Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: “Nehmt hin den Heiligen Geist!”

Pech für Thomas, der in diesem kostbaren Augenblick nicht dabei war. Er ist logischerweise skeptisch, als er davon hört (Joh. 20,25): “Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich’s nicht glauben.”

Diese Reaktion ist absolut nachvollziehbar. Sie ist menschlich. Sie ist vernünftig. Und es fällt auf, dass nirgends davon die Rede ist, dass die Jünger auf Thomas einreden, um ihm ihr Erlebnis plausibel zu machen oder sich gegen seine Skepsis zu verteidigen. Sie halten sich offenbar zurück – obwohl Jesus ihnen gesagt hatte: “Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.”

Glaube lässt sich mit einem Karussell vergleichen: Die, die darin mitfahren, sind fröhlich und vergnügt. Die Außenstehenden können das nicht oder nur schwer nachvollziehen, weil sie nicht die selbe Erfahrung teilen. Glauben kann man nicht machen, vorschreiben oder durch Diskussionen erstreiten. Er ist und bleibt von der Begegnung mit Gott selbst abhängig.


Eingestellt von Gerth Medien, © Standard Youtube-Lizenz

In dem biographischen Film “Der Fall Jesus” kommt Leslie Strobel, die Frau eines erfolgreichen Journalisten in Chicago zum Glauben. Für ihren Mann Lee zählen nur Fakten – er sieht sich selbst als Atheist. Leslie muss sich eingestehen, dass sie ihren Mann nicht vom Glauben überzeugen kann: “Es ist, als ob ich eine Reise zum schönsten Ort der Erde mache – und ich kann Dich nicht mitnehmen.” Obwohl das Glaubensthema die Ehe der beiden belastet, bleibt Leslie liebevoll, geduldig und zugewandt, während ihr Mann Lee über Tod und Auferstehung Jesu recherchiert, um den christlichen Glauben zu widerlegen.

Je mehr Lee Strobel herausfindet, desto größer werden seine Zweifel, ob er den christlichen Glauben bisher richtig eingeschätzt hat. Nach seiner Auseinandersetzung mit den zugänglichen Fakten und einigen Turbulenzen in seinem Leben kommt er für sich schließlich zu dem Schluss: Der christliche Glaube ist wahr und beruht auf überprüfbaren Tatsachen, einschließlich der Auferstehung Jesu. Seine Studien veröffentlichte Lee Strobel später in seinem Buch Der Fall Jesus, das bis heute erhältlich ist.

Dem Apostel Thomas ging es zur Zeit Jesu ganz ähnlich: Eine Woche nach den anderen Aposteln hat auch er eine Begegnung mit Jesus, der plötzlich im Kreis der Jünger auftaucht, obwohl alle Türen verschlossen sind. Jesus spricht Thomas an und lädt ihn ein, seinen Zweifeln auf den Grund zu gehen: “Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!” Thomas antwortet ihm: “Mein Herr und mein Gott!”

Neben den bis heute nachvollziehbaren historischen Fakten ist Jesus selbst das überzeugendste Argument für seine Auferstehung. Er hält Zweifel aus, fordert sie sogar heraus, lädt zur skeptischen Überprüfung ein und lässt sich finden.

Frohe Ostern wünscht
Pfarrer Stefan Hradetzky

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